Jede:r Deutsche verursacht im Jahr über 220 kg Verpackungsmüll — davon rund 40 kg in Plastik. Plastik ist eines der größten Umweltprobleme unserer Zeit. Und obwohl Deutschland ein Vorreiter in Sachen Nachhaltigkeit ist, fällt immer noch viel zu viel Müll an. Doch Sie müssen nicht auf ein neues Gesetz warten, um Ihren Lebensstil nachhaltiger zu gestalten. Wir zeigen Ihnen, wie Sie einfach und unkompliziert unverpackt einkaufen.
Das weltweite Plastikproblem
Plastik wird heutzutage als großes Unheil angesehen, auch wenn das Problem weniger im Material und eher in der Art und Weise, wie wir kurzlebigen Plastik nutzen, liegt.
“Die Plastikverschmutzung ist kein Müllproblem. Es ist ein Produktionsproblem. Denn es wird zu viel produziert”
Delphine Lévi Alvarès, Koordinatorin der NGO Break Free From Plastic
Laut der OECD wird sich die weltweite Kunststoffproduktion bis 2060 voraussichtlich verdreifachen. Es ist also mehr als notwendig, zu handeln. Deutschland ist im Ländervergleich unter den Top 4 der umweltfreundlichsten Länder und ergreift vermehrt Maßnahmen zum Umweltschutz.
Seit dem 1. Januar 2022 gilt in Deutschland ein Verbot für Plastiktüten. Pfandflaschen werden von den Deutschen nahezu 100 Prozent zurückgegeben bzw. eingesammelt. Die Recyclingquote für Kunststoffabfälle steigt jährlich an. Außerdem sind viele Einwegplastik-Produkte seit Juli 2021 in der EU verboten — dazu gehören Strohhalme, Wattestäbchen, Plastikbesteck, Rührstäbchen, Luftballonhalter aus Kunststoff sowie To-go-Becher und Fastfood-Boxen aus Polystyrol.
Um den Plastikverbrauch in Deutschland weiter zu minimieren, führen immer mehr Supermärkte unverpackte, plastikfreie Lebensmittel ein und es gibt mittlerweile mehr als 200 Unverpackt-Läden in Deutschland.
Wo können Sie unverpackt einkaufen?
Wenn Sie Ihren Teil zur Minderung des Plastikproblems beitragen möchten, dann können Sie noch heute anfangen, plastikfrei einzukaufen:
- Unverpackt-Läden: Diese verpackungsfreien Supermärkte kommen in der Regel weitestgehend ohne Einwegverpackungen aus und bieten fast alle Waren zum Abfüllen oder in wiederverwendbaren Pfandbehältern an. Sie können sich die Menge an Nudeln, Kaffee, Nüssen, Süßwaren oder Waschmittel in Ihren mitgebrachten Behälter abfüllen lassen und so einfach plastikfrei einkaufen.

- Hofläden & Wochenmarkt: Wenn Sie auf dem Land leben, können Sie direkt beim regionalen Bauern oder Landwirt im Hofladen einkaufen. Die meisten Direktvermarkter bieten Ihre Ware ohne Verpackung an. In Städten finden Sie die gleichen Waren im Regelfall am Wochenende auf dem Wochenmarkt.
- Bioladen: In den meisten Biomärkten werden Lebensmittel ohne Verpackung angeboten. Vor allem Obst und Gemüse gibt es nur lose oder in plastikfreien Verpackungen. Auch an der Frischetheke können Sie sich Wurst, Käse und Co. in mitgebrachte Behälter abfüllen lassen.
- Supermarkt: Auch in normalen Supermärkten und Discountern werden vermehrt plastikfreie Artikel angeboten — Sie müssen lediglich ein wenig nach den Alternativen Ausschau halten. Supermärkte wie Rewe setzen sich aktiv für die Reduzierung von Verpackungen ein, indem sie interne Abläufe verbessern und materialsparende Kennzeichnungen verwenden.
- Lieferdienste: Da Online-Shopping immer beliebter wird, bieten Supermärkte ihre Waren auch online an. Wenn Sie keinen plastikfreien Laden oder Markt um die Ecke haben, erleichtern Ihnen Lieferdienste das unverpackte Einkaufen immens. Die besten Online-Anbieter mit plastik- und verpackungsfreien Angeboten sind:
10 Tipps zum verpackungsfreien Einkaufen
Obwohl es jede Menge Möglichkeiten gibt, plastikfrei einzukaufen, ist es nicht immer so einfach. Wir haben ein paar hilfreiche Tipps für Sie, wie Sie Ihren Alltag plastikfreier leben können:

- Verzichten Sie auf To-Go-Produkte. Fertigsalat, Joghurt, Müsli, Smoothies oder Sandwiches sind meist in jeder Menge Plastik verpackt. Auch Essen von Lieferando und Co. kommt überwiegend in Alu- oder Styropor-Boxen bei Ihnen an. Lassen Sie sich lieber Ihr Essen vom Restaurant in mitgebrachte Behälter abfüllen, nehmen Sie Ihr selbstgemachtes Sandwich von zu Hause mit oder suchen Sie nach Essen-to-go in Mehrwegbehältern.
- Mehrweg statt Einweg. Einwegflaschen können lediglich einmal befüllt werden. Mehrwegflaschen sind Glasflaschen und stabile Plastikflaschen. Mehrwegplastikflaschen können bis zu 25 Mal neu befüllt werden, aus Glas sogar bis zu 50-mal. Mehrweg erkennen Sie am Etikett oder dem günstigeren Pfandbetrag.
- Pfandglas statt Plastikbecher. Lebensmittel wie Joghurt, Nüsse, Öl oder Gewürze werden statt in Plastik vermehrt in Gläsern angeboten. Diese können Sie als Pfand zurückgeben oder zu Hause wiederverwenden.
- Brot lieber beim Bäcker kaufen. Brot aus dem Supermarkt ist größtenteils in Plastik verpackt, denn so bleibt es länger haltbar. Kaufen Sie Ihr Brot lieber frisch beim Bäcker um die Ecke und nehmen Sie dies im mitgebrachten Stoffbeutel mit nach Hause.
- Frischtheke statt Kühlregal. Käse, Wurst und Co. aus dem Kühlregal sind meist unnötig in Plastik verpackt. Kaufen Sie stattdessen an der Frischtheke oder im Feinkostgeschäft unverpackt ein, denn dort können Sie sich die gewünschte Ware einfach in eine mitgebrachte Dose oder Bienenwachstücher packen lassen.
- Frisch kochen statt Fertigessen. Wenn Sie Ihre Mahlzeiten aus frischen Zutaten zubereiten, sparen Sie jede Menge Plastik, denn Fertiggerichte wie Tütensuppen und Tiefkühlmahlzeiten sind überwiegend in Plastik, Alu und/oder Pappe verpackt.
- Plastikfreies Gemüse und Obst. Wählen Sie Ihren Supermarkt danach, ob unverpacktes Obst und Gemüse angeboten wird. Wochenmärkte, Bio-Läden oder Unverpackt-Läden sind eine gute Anlaufstelle für unverpackte Produkte.
- Stoffbeutel statt Plastiktüte. Seinen eigenen Stoffbeutel oder Tragetaschen zum Einkaufen mitzunehmen, sollte inzwischen eigentlich schon jedem Deutschen klar sein. So sparen Sie nicht nur Plastik, sondern auch das Geld für eine neue Tüte.
- Vermeiden Sie Mehrfachverpackungen. Süßigkeiten werden überwiegend doppelt und dreifach in Plastik verpackt. Produkte wie Mini-Cornflakes, Gummibärchen-Mix oder Käsesnacks produzieren wesentlich mehr Abfall als eine Großpackung. Auch bei Kaffeekapseln wird viel Müll produziert, weshalb loser Kaffee für Filterkaffee oder French Press die bessere Wahl ist.
- Leitungswasser statt Plastikflasche. Plastikflaschen werden zwar recycelt, aber die Wiederverwertung von Kunststoff ist nur begrenzt möglich — es fällt also trotzdem Plastikmüll an. In Deutschland ist das Leitungswasser in fast allen Regionen bedenkenlos trinkbar und meist von bessere Qualität als Wasser aus Plastikflaschen. Für Liebhaber von Sprudelwasser empfiehlt sich ein Wassersprudler.
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